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Das soziale Umfeld, sprich der Familien- und Freundeskreis sind oft ebenfalls von den Folgen ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Sie spielen eine entscheidende Rolle.
Wohl jedes Kinderwunschpaar wird diese Probleme kennen.
Viele Kinderwunschpaare möchten nicht offen über ihre Problematik reden. Das ist verständlich, wenn auch nicht besonders gesund, da wir in diesem Moment unseren Kinderwunsch verleugnen - und etwas, was unser Herzenswunsch ist, sollte nicht von uns verleugnet werden. Das Unterbewusstsein hört schließlich immer mit!
Und doch kann man es verstehen, wenn man über ein so sensibles, schwieriges Thema nicht mit jedem sprechen möchte.
Tut man es doch, stößt man oft auf Hiflosigkeit, aus der dann Reaktionen entstehen, die den Betroffenen oft noch weher tun.
Die Problematik zwischen Kinderwunschpaaren und ihrem Umfeld sind vielschichtig:
- Zum einen gehen viele Menschen oft davon aus, die Kinderlosigkeit der Menschen sei gewollt. Meist resultieren aus dieser Annahme kleine “Fozzeleien”, Sprüche und Anspielungen, die sich wie Pfeile in das Herz der Betroffenen bohren. Besonders die kleinen Sprüche, die auf die Manneskraft (“na, schaffst Du es nicht?”) abzielen, tun sehr weh.
Ebenso schlimm ist es, wenn angenommen wird, die Paare hätten sich bewusst gegen Kinder entschieden. Dann wird ihnen gerne vorgeworfen, nichts “für die Gesellschaft zu tun” oder aber ihnen von ihrer “herrlichen Freiheit” in finanzieller und sozialer Hinsicht vorschwärmen, was für die Paare den reinsten Hohn darstellt...
Diese Anmerkungen und Sprüche tun weh, sehr weh.
Sich fortzupflanzen ist ein tiefes, inneres Bedürfnis der Menschen und es ist immer noch ein Stück weit eine “Schande”, keine Kinder bekommen zu können. Es tut furchtbar weh, diese Sehnsucht nicht stillen zu können. Wenn sich dann noch Menschen darüber lustig machen, ist das kaum zu ertragen. Man denkt, man muss aufspringen und weglaufen oder daran zerbrechen.
- Vertraut man sich den Menschen im sozialen Umfeld an, kann man mit zwei Problematiken konfrontiert werden: zum einen stößt man oft auf eine sehr große Hilflosigkeit. Vielen ist durchaus bewusst, dass es sich hier um ein schwieriges und sensibles Thema handelt, aber wie soll man damit umgehen? Aus der Hilflosigkeit resultieren die verschiedenlichsten Verhaltensweisen. Am schwierigsten ist es, wenn die Leute versuchen, einem gutgemeinte Tips zu geben wie “fahrt doch mal in den Urlaub” oder “wenn man nicht so doll dran denkt, soll es klappen”. Auch das ist ein Stück weit ein Hohn, auch wenn es im Kern gar keine falsche Aussage sein mag, aber die meisten Kinderwunschpaare wissen um diese Tatsache - und es ist unmöglich, im Kinderwunsch einfach mal “so” lockerer zu werden und die allbekannten “Urlaubs-Blitzschwangerschaften” sind leider mehr Legende als dass sie wirklich geschehen.
Und wenn eine Frau schon 3 IVF Versuche oder 5 Jahre Wartens hinter sich hat, ist das so, als würde man sich über sie lustig machen.
Ebenso schlimm ist es, wenn die Freunde versuchen, die Paare zu trösten, in denen sie ihnen die Vorteile ihre kinderlosen Daseins aufzählen. Sprüche wie “ohne Kinder hat man viel weniger Sorgen , mehr Geld, kann in Urlaub fahren, lange ausschlafen...” sind ebenfalls purer Hohn. Als solle man sich noch glücklich schätzen, dass man keine Kinder hat.
Kinderlos zu sein IST eine schwierige, schmerzliche und traurige Situation. Das sollte man nie vergessen.
- Eine weitere Problematik im sozialen Umfeld ist die, dass Kinderwunschpaare sich immer wieder mit der schmerzlichen Situation konfrontiert sehen müssen, mitzuerleben, wie ein Großteil ihrer Freunde und jungen Verwandten schwanger wird, teilweise lange nachdem sie mit dem Kinderwunsch begonnen haben. Sie müssen es ertragen, wie die beste Freundin oder die Schwester oder Schwägerin ihnen stolz ihren dicken Bauch zeigt oder aber wie frisch verheiratete fröhlich verkünden, dass sie dann irgendwann mal schwanger werden wollen demnächst.
Die Leichtigkeit der Empfängnis - die ihnen schon so lange so schmerzlich verlorengegangen ist - wird ihnen immer wieder vor Augen geführt. Ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit überkommt einen... wieso ist es für die einen so leicht und für die anderen so schwer? Sie bekommen durch ihr soziales Umfeld teils tagtäglich vorgelebt, was sie nicht haben können. Sie können ihre Sehnsucht und ihren Wunsch nicht vergessen, besänftigen oder lindern, wenn sie immer wieder spontane Schwangerschaften und zartduftende Neugeborene miterleben.
Sie neiden den anderen dieses Glück, und auch deshalb fühlen sie sich schlecht - denn eigentlich würden sie sich doch so gerne mitfreuen, aber statt Freude kann man nur unsagbaren Schmerz empfinden.
Und dann werden die Kinder der Bekannten größer und sind fast eine kleine Messlatte dafür, wie die Zeit vergeht und wie wenig sich der Kinderwunsch, die Sehnsucht, die Verzweiflung und der Schmerz im Grunde doch ändern.
Ein weiteres Problem hierbei ist es auch, dass Freundschaften gerne an den unterschiedlichen Lebensweisen zerbrechen. Die befreundeten Paare mit Kinder können eben einfach nicht mehr “einfach mal so” abends lange weggehen. Sie haben anderen Sorgen, Nöte und ihr Alltag ist ganz anders. Zudem wissen sie oft nicht, inwieweit sie ihre Kinder in Gespräche mit den Kinderwunschpaaren einfließen lassen sollen ... um ihnen nicht vielleicht NOCH weher zu tun.
Das führt dann manchmal zu einer noch zusätzlich schmerzhaften Isolierung der Kinderwunschpaare - die sie wiederum noch einmal auf ihre “Unvollkommenheit” stößt.
Gutgemeinte Ratschläge
Ein weiteres Problem besteht darin, dass manche Menschen oder Freunde - teils aus Hilflosigkeit und Unwissen - den Kinderwunschpaaren mit gutgemeinten Ratschlägen helfen wollen. Aber man sollte sich dabei vor Augen führen, dass der unerfüllte Wunsch nach Kindern so essentiell und schmerzhaft ist, sich die Paare in solch hilflosen Situationen befinden, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon alle Möglichkeiten, die ihnen zum Erfolg verhelfen könnten, kennen oder sogar ausgeschöpft haben. Die Ratschläge, die “Unerfahrene” ihnen geben, haben jedoch meist nur wenig mit der Realität zu tun, sind oft ein Sammelsurium aus Dingen, die man mal irgendwo irgendwann irgendwie gehört oder gelesen hat und stehen manchmal gar nicht im Zusammenhang mit dem eigentlichen Problem.
Kinderwunschpaare sind sozusagen die “Fachleute” auf diesem Gebiet. Und ihnen beispielsweise zu raten, einfach einmal “lockerer zu werden”, “sich nicht zu stressen”, sie zu fragen, ob sie schonmal beim Arzt waren oder ihnen begeistert zu raten, sich dochmal Frauentee im Reformhaus zu kaufen, kann man damit vergleichen, jemandem mit einer chronischen Darmentzündung Kamillentee, jemandem mit chronischen starken Rückenschmerzen ein heißes Bad oder jemandem mit Neurodermitis Nivea-Creme zu empfehlen. Es stellt in diesem Moment für die Betroffenen eher ein Hohn als eine Hilfe dar.
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit verschlossenen Eileitern ihr Problem durch Frauentee oder Vitamine, durch Entspannung oder Urlaub lösen kann, geht nicht nur gegen Null, nein, in diesem Moment wird die oft jahrelange Leidensgeschichte der betroffenen Menschen nichtig gemacht und aberkannt.
Die Bitte an die Familie und Freunde von Kinderwunschpaaren ist also auch hier, sich erst zu informieren, bevor man leichtfertig versucht, dem Kinderwunschpaar Ratschläge zu erteilen.
Ein weiteres Problem für Kinderwunschpaare, besonders für die Frauen, ist die Tatsache, dass ihnen oft die Fähigkeit, mütterlich zu sein, aberkannt wird. Wenn die Freundinnen dann irgendwann alle Kinder haben, passiert es oft, dass die Kinderwunschfrauen sich nach jahrelangem erfolglosem Warten nicht nur mit der schmerzlichen Situation konfrontiert sehen, als einzige Frau ohne Kinder zurückgeblieben zu sein, sondern sogar von ihren Freundinnen, die Kinder haben, als unfähig zur Kinderbetreuung angesehen zu werden.
So geschieht es nicht selten, dass der Kinderlosen Frau ein Baby nicht gerne in den Arm gelegt wird oder ein Kind nicht ein paar Stunden zur Betreuung überlassen, weil man denkt “die hat ja keine Erfahrung”. Das ist ungerecht und sehr schmerzlich, denn sie kann ja nichts dafür, keine Kinder zu haben und nun wird diese “Unfähigkeit” ihr fast als Vorwurf und Strafe auferlegt und sie fühlt sich noch mehr als Außenseiterin als vorher.
Auch Kinderwunschfrauen haben Mutterinstinkte - und diese nicht zu knapp. Leider durften sie diese niemals in der Form ausleben wie alle anderen Frauen. Aber sie sind da und auch in jeder Kinderwunschfrau schlummert ebenso wie in jeder anderen Frau dieser Welt die Fähigkeit, ganz selbstverständlich und ohne großen Umstand mütterlich sein zu können. Schließlich sind auch Mütter nicht schon als Mütter auf die Welt gekommen - und waren es mit einemmal, als sie das erstemal ihr Kind im Arm hatten - ohne dass es ihnen jemand beigebracht hätte.
Dieselben Urinstinkte sind auch in den Kinderwunschfrauen verwurzelt und man sollte sie deshalb nicht als minderwertige Frauen oder unfähige Kinderbetreuerinnen sehen.
All diese Gründe fordern ein bewusstes und sensibles Verhalten des sozialen Umfeldes. Dieses Thema ist deswegen nur den Familien und Freunden von Kinderwunschpaaren gewidmet, denn es ist durchaus verständlich, dass viele nicht wissen, wie sie sich gegenüber ihrer betroffenen Freunde verhalten sollen.
Es IST schwierig und vermutlich gibt es kein Patentrezept.
Darum sollen diese Texte dazu dienen, sich ein wenig besser vorstellen zu können, wie sich Kinderwunschpaare fühlen und wie man ihnen helfen kann.
Einige betroffenen Paare haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder dafür stark gemacht, das Tabuthema Kinderlosigkeit in die Öffentlichkeit zu tragen, so wie wir es mit dieser Seite ebenfalls tun. Hierbei sind auch einige Projekte entstanden, die sich bewusst an das soziale Umfeld von Betroffenen richten, in der Hoffnung, etwas mehr Verständnis und Sensibilität in deren Köpfe und Herzen zu bringen.
Eine amerikanische Seite verarbeitet dieses Thema in einem wunderschönen Video, das man hier anschauen kann:
http://www.tearsandhope.com/emptyarms_video.html
Desweiteren ist vor einigen Jahren der sogenannte “Infertility Letter” entstanden, der anbei in übersetzter Form zu finden ist. Der “Infertility Letter” mag in einigen Punkten zu krass geschrieben sein, verdeutlicht den Konflikt jedoch sehr gut.
Infertility Letter
Für: __________
Denn Du sorgst Dich um ______ und ihr Glück.
______ weiss, dass du sie liebst und sie glücklich sehen willst, dass du möchtest, dass sie wieder “die alte” ist. Aber sie scheint wegen ihres Kinderwunsches isoliert,depressiv und gequält. Du hast wahrscheinlich Probleme damit, zu verstehen, warum der Versuch Schwanger zu werden jede Minute des täglichen Lebens beeinflussen kann. ______ hofft, dass Du beim Lesen dieses Textes, geschrieben von Ratgebern mit persönlicher und professioneller Erfahrung mit Unfruchtbarkeit, den Schmerz ,den sie fühlt verstehen wirst. Dieser Text wird Dir auch sagen, wie du ihr vielleicht helfen kannst.
EINIGE FAKTEN ÜBER UNFRUCHTBARKEIT
Es mag Dich überraschen, dass heute eine von sechs Frauen, die ein Baby haben wollen, nicht schwanger werden. Es gibt viele möglichen Grunde für diese traurige Statistik: verschlossene Eileitern, Eierstocksfehler, hormonelle Unstimmigkeiten, schlechtes Sperma der Ehemänner... nur um einige wenige zu nennen. Außerdem, wird es für eine Frau über 35 schwierig, ein Kind zu bekommen, hauptsächlich weil viele der Eizellen nicht mehr richtig funktionieren. All diese Hindernisse zur Schwangerschaft ob körperlich oder physiologisch, sind nicht seelischer Ursache. Eileitern werden nicht verschlossen weil eine Frau zu „sehr“ versucht, schwanger zu werden.Antikörper, die das Sperma töten werden nicht verschwinden, nur weil eine Frau sich entspannt. Und Männer können ihre Spermien nicht zum Schnellerschwimmen bewegen, nur weil sie einen optimistischere Einstellung bekommen.
GUT GEMEINTE RATSCHLÄGE
Wenn jemand, den wir mögen ein Problem hat, ist es natürlich ihm helfen zu wellen. Wenn es nichts bestimmtes gibt, was wir tun können, versuchen wir hilfreiche Ratschläge zu geben. Oft greifen wir auf unsre eigenen Erfahrungen oder Anekdoten von anderen Menschen die wir kennen zurück. Vielleicht erinnerst Du Dich an eine Freundin die Probleme mit dem Schwangerwerden hatte bis sie und ihr Mann einen Urlaub auf einer tropischen Insel machten. So empfiehlst Du dass_____ und ihr Mann auch einen Urlaub machen sollen. _______ hört deinen Rat, aber sie kann ihn nicht nutzen wegen ihres körperlochen Problems. Sie kann deinen Ratschlag nicht nutzen dazu kommt noch; dass der Klang dessen ihren Kummer noch größer macht. Möglicherweise bekommt sie solche Art Ratschläge nur allzu oft. Stell Dir vor wie frustrierend es für sie sein muss von anderen Paaren zu hören, die „auf Zauberweise“ während eines Urlaubs schwanger wurden einfach beim Sex. Für ____, die in einer Unfruchtbarkeist Behandlung ist, ist Sex und dann ein Kind zu empfangen völlig unrealistisch geworden. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr sie versuchte ein Baby zu kriegen und wie schlimm sie sich fühlte jeden Monat, wenn sie merkte, dass es wieder misslungen war. Dein gutgemeinter Ratschlag ist der Versuch ein extrem kompliziertes Problem in ein kleines einfaches Problem zu wandeln. Durch das Vereinachen ihres Problemes in diesem Zusammenhang, hast Du die Gültigkeit ihrer Gefühle heruntergewertet, sie psychisch herabgeschätzt.. Natürlich wird sie sich unter diesen Umständen ärgern und traurig über Dich sein. Die Wahrheit ist: Es gibt tatsächlich nichts konkretes, was du tun kannst, um ihr zu helfen. Die größte Hilfe, die du ihr anbieten kannst, ist verständnisvoll und unterstützend zu wirken. Es ist leichter unterstützend zu sein, wenn du einschätzen kannst, wie die Unfähigkeit ein Baby zu haben, etwas so furchtbares sein kann.
WARUM KEIN BABY ZU HABEN SO TRAURIG SEIN KANN
Frauen wachsen mit der Erwartung auf dass sie irgendwann ein Baby haben werden. Sie stellen sich sich selbst in einer Mutterrolle jeden Tag vor, seit sie mit Puppen zu spielen begonnen haben. Eine Frau kann sich selbst sogar nicht wirklich als ein Teil der Erwachsenenwelt sehen, solange sie keine Mutter ist. Wenn ______ denkt, dass sie kein Baby haben kann, fült sie sich wie eine defekte Ware. Kein Baby zu haben ist literatisch eine Frage von Leben und Tod. In der Bibel ist Rachel unfruchtbar. Sie sagt zu Jacon: “Gib mir Kinder oder ich sterbe...“ Darauf berufend sagen manche Weisen: Einer der kinderlost ist, ist zum Tode verurteilt.“ Diese Gefühle sind so extrem mit der Unfruchtbarkeit vernetzt, dass sich die Personen wie tot fühlt oder am liebsten sterben würde. Noch schlimmer ist, dass______ sich nicht einmal sicher ist, dass sie niemals ein Baby haben wird. Eine der grausamsten Dinge die man einem Menschen antun kann, ist ihm Hoffnung zu lassen und diese nicht wahr werden zu lassen. Die moderne Medizin hat dieses zweischneidige Schwert geschaffen. Es bietet Hoffnung an, wo zuerst keine war – aber zum Preis kleiner Zahlen bzw. Chancen.
WAS DIE MODERNE MEDIZIN UNFRUCHTBAREN FRAUEN ANBIETEN KANN
Im letzten Jahrzehnt hat die Reproduktionsmedizin mächtige Durchbrüche geschafft, so dass die Frauen, die früher unfähig waren, Kinder zu bekommen, nun Erfolg haben können. Der Gebrauch von Medikamenten wie Pergonal kann die Zahl und Größe die eine Frau produziert, sogar ihre Chancen auf Fruchtbarkeit vergrößern. IVF Techniken entnehmen die Eier der Frau und mischen sie dem Sperma in einem Reagenzglas und erlauben ihnen so, sich im Labor zu befruchten. Der Embryo kann dann zurück in den Uterus der Frau transferiert werden Es gibt noch viele andere Optionen. Im Gegensatz zu den Hoffnungen, die diese Techniken geben, sind sie sehr hart umzusetzen. Manche high-tech Prozeduren werden nur an wenigen Plätzen angeboten, die ______ zwingen könnten, große Strecken zu fahren. Selbst wenn die Behandlung in der Nähe durchgeführt werden kann, muss der Patient sich immer wiederholdende Arztbesuche ertragen, viele verschiedene Prozeduren und erhebliche Summen von Geld vorlegen – Geld, das vielleicht oder vielleicht auch nicht wieder von der Versicherung zurückerstattet wird. All das wird eingeleitet von einer Batterie aus Diagnostischen tests, die sehr anstrengend und schmerzhaft sein können.
Nach jedem medizinischen Versuch schwanger zu werden, muß ______ eine Wartezeit überstehen, die von wechselndem Optimismus und Pessimismus gezeichnet ist . Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Sie weiss oft nicht, ob ihre geschwollenen Brüste ein Anzeichen der Schwangerschaft sind oder eine Wirkung der hormonellen Medikamente. Wenn sie eine Spur Blut in der Unterwäsche sieht, weiss sie nicht ob ein Embryo versucht, sich einzunisten oder ihre Periode anfämgt. Wenn sie nach einer IVF Prozedur nicht schwanger ist, fühlt sie sich vielleicht so, als ob ihr Baby gestorben wäre- Wie kann eine Persion sterben, die eigentlich nur in ihrem Kopf existiert hat??
Während sie versucht mit diesem emotionalen Trubel klarzukommen, wird sie zu einer Babyparty oder Taufe eingeladen, erfährt dass ein Kollege oder Freund schwanger wurde oder sie liest, dass ein neugeborenes Baby in einem Mülleimer gefunden wurde. Kannst du versuchen dir ihre Wut und Trauer über diese Ungerechtigkeit im Leben vorstellen? Wenn ihre Unfruchtbarkeit sich langsam in allen Momenten ihres Lebens breit macht, kann es dann ein Wunder sein, dass sie traurig mit allem ist?
Jeden Monat, hofft ______ dies wird nun endlich ihr Monat sein.Wenn nicht, fragt sie sich wo sie die Energie hernehmen soll, es wieder zu versuchen. Wird sie im Stande sein, noch mal diese Prozedur auf sich zu nehmen. Wie lange wird ihr Mann das noch mitmachen? Ist sie dazu gezwungen, ihre Träume aufzugeben? Also wenn du mit ihr sprichst, versuch dich in die Wunden in ihrem Geist und ihrem Herz einzufühlen. Sie weiss du du sich um sie sorgst und sie braucht vielleicht jemanden, mit dem sie über ihre Sorgen reden kann. Aber sie weiss, dass es nichts gibt, was du sagen könntest, um sie schwanger werden zu lassen. Und sie hat Angst, dass du ihre einen Ratschlag geben kannst, der sie noch verzweifelter werden lasst.
WAS KANNST DU FÜR______ TUN?
Du kannst ihr Unterstützung eben und sie nicht für die Schritte, die sie unternimmt kritisieren. Du kannst so etwas sagen wie: „Ich kümmere mich um dich. Nachdem ich das gelesen habe, habe ich eine Idee, wie hart das für dich sein musst. Ich wünschte ich könnte helfen. Ich bin da, um dir zuzuhören und mit dir zu weinen, wenn du weinen willst. Ich richte dich auf, wenn du hoffnungslos bist. DU kannst mir mit reden, ich bin da. Das wichtigste, woran du dich erinnern solltest, ist dass _______ deprimiert und sehr traurig ist Hör dem zu, was sie sagt, aber richte nicht über sie. Werte ihre Gefühle nicht herunter. Mach ihr nicht vor, alles sei okay. Verkauf sie nicht für dumm mit Sprüchen wie „Was sein wird, wird sein“. Wenn dieser Spruch wahr ist, wieso sollte man dann überhaupt medizinsche Hilfe in Anspruch nehmen? Dein Wille zu Zuhören kann oft schon eine große Hilfe sein. Unfruchtbare Frauen fühlen sich oft von anderen Frauen isoliert. Dein Wille zum Zuhören und Unterstützen wird ihr helfen, den Stress zu bewältigen- ihre Unfruchtbarkeit ist eine der schwierigsten Situationen, mit denen sie jemals umgehen müssen wird.
PROBLEM SITUATIONEN
So wie ein fremder Raum für einen Blinden ein Hinderlauf sein kann, kann die Alltagswelt für eine Kinderwunschfrau voller Hindernisse/Schmerzen sein – Hindernisse, die für Frauen mit Kindern nicht existieren. Sie geht zu ihrer Schwester zum Feiertag, ihre Kusine ist am Stillen. Die Männer schauen Fussball und die Frauen reden über die Kinder. Sie fühlt sich außen vor. Ein Feiertag ist ein großes Problem für sie. Sie merken, wie viel Zeit schon vergangen ist. Sie erinnern sich daran, was sie im Jahr zuvor gedacht haben – dass sie nächstes Jahr einen Sohn oder Tochter haben werde, den sie ihrer Familie zeigen könnte. Jeder Feiertag präsentiert sein eigenen Schmerz für die Kinderwunschfrauen. Valentinstag erinnert sie an Romantik, Liebe, Hochzeit – und die Familie, die sie einmal haben wird. Mutter – und Vatertag? Die Schwierigkeit liegt auf der hand. Normale Aktivitäten wie eine Straße runterzugehen oder einkaufen, stellen einen Weg mit Tretmienen dar. Frauen zu sehen, die ihr Baby in Körbe legen und Schnuller strapazieren die Nerven. Wenn sie Fernsehen schaut, ist ______ bombadiert mit werbungen für Windeln, Baby Nahrung und Schwangerschafttests. Auf einer Party fragt sie jemand, wie lange sie verheiratet ist und wann sie mal Kinder haben will. Sie fühlt sich als würde sie aus einem Raum rausrennen wollen, aber sie kann es nicht.
Wenn sie von ihrer Unfruchtbarkeit spricht, wird sie wahrscheinlich wieder gutgemeinte Ratschläge bekommen – genau das, was sie nicht braucht. „Entspannt dich. Das klappt schon“ oder „Du bist gut dran. Ich hab es mit meinen Kindern, du bist noch frei, Kinder machen so viele Sorgen”. Dies sind die Art von Aussagen, die sie dazu bringen, unter das nächste Sofa krabbeln und sterben zu wollen.
SCHLUSSWORT
Weil sie unfruchtbar ist, ist das Leben sehr stressig für sie. Sie tut ihr bestes um es zu überstehen. Bitte sei verständnisvoll. Manchmal wird sie einfach depressiv sein. Manchmal wird sie körperlich und seelisch müde sein. Manchmal wütend. Sie kann nicht wieder die gute alte „__________“ sein, die sie mal war. Sie will viele Dinge nicht mehr tun, die sie mal tat. Sie hat keine Ahnung wann und ob ihr Problem sich lösen wird. Sie ist einen langen gefühlsreichen und finanziell teuren Prozess eingebunden mit nicht allzu hohen Chancen. Je länger er geht, wie auch immer, desto höher werden ihre Chancen steigen. Vielleicht wird sie eines Tages Erfolg haben. Vielleicht wird sie eines Tages aufgeben oder eine Adoption anstreben. Oder vielleicht lernt sie irgendwann ein kinderloses Leben völlig zu schätzen und abzuschließen. Im Moment aber hat sie keine Ahnung was passieren wird. Alles was sie tun kann, ist jeden Tag weiterzumachen bis zum nächsten Tag. Sie weiss nicht, wieso das ihr Schicksal ist. Alles was sie weiss, ist die grausame Wahrheit, mit der sie jeden Tag lebt. Kümmer dich um sie. Sei sensibel und gib ihr Halt. Sie braucht es und will es..
Trost spenden
Was im Infertility Letter schon angesprochen wurde, ist ein wichtiges Thema. Wenn wir jemanden mögen, sind wir immer bestrebt, ihm bei seinen Problem zu helfen. Das ist gut und richtig so.
Doch wie kann man einem Kinderwunschpaar helfen? Wie kann man Trost spenden?
Hier liegt der Kern der Problematik, denn:
Ein Kinderwunschpaar ist untröstlich.
Diesen Satz kann man so stehenlassen. Es GIBT schlichtweg keinen Trost für ein Paar, das von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen ist. Das genau macht das ganze ja erst so schlimm.
Man kann es ein wenig mit der Situation eines Trauernden vergleichen ... wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Man kann diesen Schmerz nicht lindern. Es geht nicht, man ist macht- und hilflos.
Das schlimmste an der ungewollten Kinderlosigkeit IST ja genau diese Macht- und Hilflosigkeit. Egal, was ein Kinderwunschpaar tut - nichts garantiert ihm den Erfolg. Es gibt Paare, die haben dutzende IVFs hinter sich, haben alle alle erdenklichen Möglichkeiten ausgeschöpft - erfolglos. Sie sind macht- und hilflos. Die Schwangerschaft stellt sich nicht ein, sie bekommen kein Kind - und können nichts, rein gar nichts dagegen tun. Eine Situation, die wir heutzutag ein unserer modernen “Machbarkeits”Gesellschaft kaum mehr kennen und noch schwerer ertragen können.
Und diese Hilflosigkeit greift um sich. Auch die Bekannten und Freunde sind hilflos.
Es ist aber i.d. Regel nicht so, dass die Kinderwunschpaare - zumindest die Frauen - nicht getröstet werden wollen. Natürlich tut es ihnen gut, wenn man ihnen zeigt, dass man für sie da ist. Dass man ihnen zuhört. Dass man an sie denkt. Dass man - soweit das möglich ist - mitfühlt.
Und es gibt Menschen, die das wissen. Die wissen, dass schlaue Sprüche und Ratschläge nichts helfen. Dass es einzig und allein hilft, die Hand des anderen zu nehmen und zu sagen: Ich bin für Dich da. Ich bete für Dich. Ich hoffe für Dich. Und ich respektiere Deinen Schmerz und Deine Trauer.
Mehr kann man für Kinderwunschpaare nicht tun. Und doch ist das schon viel - und mehr, als die meisten Kinderwunschpaare bekommen
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