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Sich öffnen

Bei all dem Leid, dem Schmerz und der Angst vergessen wir Kinderwunschfrauen oft, dass wir vielleicht gar nicht mehr offen gegenüber des Kinderkriegens sind.

Durch beängstigende und schwarzmalende Aussagen von Medizinern, durch Berichte in den Medien, im Internet, durch allzu fachchinesische Literatur verrennen wir uns in die blinde Angst, niemals Kinder bekommen zu können und auf jeden Fall Abhilfe schaffen zu müssen.

Sicherlich ist die Angst nicht unbegründet. Vielleicht brauchen wie sie auch.

Aber auch mir ging es so, dass mich die Worte "steril" und "Sterile Ehe" auf dem Überweisungsschein zum Repromediziner klein wie eine Ameise werden ließen. Da stand es also schwarz auf weiss: Steril.

Natürlich war ich mich darüber bewusst, dass das nur auf diesen Schein geschrieben werden musste, ganz gleich was die "Wahrheit" war. Und doch. Da steht es, dieses böse, dieses vernichtende Wort: Steril.

Ich bin steril. Wie sich das anhört. Ich dachte, ein OP könne steril sein. Ich bin doch nicht etwas, was man als steril bezeichnen kann. Unfruchtbar, nun ja, kinderlos. Beides auch schlimme, gemeine Worte, aber steril?

Steril - plötzlich verwandelt man sich in einen Gegenstand. Das sterile Besteck. Die sterile Frau. Brrr......

"Frau Müller, Sie sind sind unfruchtbar:" "Frau Müller, Sie sind steril." "Frau Müller, Sie werden nie Kinder bekommen können." "Frau Müller, nicht mit dieser Gebärmutter, nicht mit diesen Eileitern, nicht mit diesem Hormonspiegel, nicht mit dieser Endometriose, nicht mit diesem PCO, nicht mit diesen Antikörpern in ihrem Schleim." "Herr Müller, mit dieser Spermienzahl können Sie niemals ein Kind zeugen." "Sie sind steril."

Bitte ganz schnell vergessen, was da eben gestanden hat!

Selbst wenn das, was hier steht, auf irgendjemanden von uns zutrifft, so sind das garantiert die FALSCHEN Sätze, um unser Problem zu lösen, im Gegenteil sie verschlimmern es sogar. Ich will hier den Medizinern gar keinen Vorwurf machen, was sollen sie denn sagen? Ich möchte nur, dass es nicht zu tief sackt.

Kinderkriegen ist eigentlich die größte Selbstverständlichkeit der Welt. Erst wenn es immer und immer wieder nicht klappt nach Absetzen der Verhütung, beginnen wir uns Gedanken zu machen. Die Angst, unfruchtbar zu sein, trägt die heutige "Schwangerwerd" Generation schon tief in sich - man hört, man sieht zu viel, man kennt zu viele, die es "erwischt" hat.

Das Kinderkriegen ist nicht mehr die Selbstverständlichkeit, die sie einmal war, wenn man erstmal einige Zyklen hinter sich hat, in denen es nicht geklappt hat.

Sicher ist es gut, dass heute so schnell reagiert wird. Vielen wird damit das Warten und die Ungewissheit tatsächlich erspart.

Aber die Katze beisst sich doch wieder selbst in den Schwanz - wir werden unsicher, zweifeln an uns. Und wir allen kennen das: Wenn wir ganz feste daran denken, dass uns ja dies oder das geschehen könnte, geschieht es meist. So ist es vielleicht auch ein bisschen mit der Unfruchtbarkeit.

Nur ein bisschen! Eileitern verschließen wohl kaum davon und sehr schlechte SG kommen auch nicht von daher.

Dennoch - wenn man an diesem kleinen Detail arbeitet, kann man seine Erfolgschancen wirklich verbessern.

Offen sein für ein Kind. Das bedeutet, das Kind ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Nicht zu sagen: Aber bitte nicht im Sommer, aber bitte bevor ich dreißig/vierzig bin, aber bitte nur eines, aber bitte ein gesundes."

Denn so läuft es nicht. Die Angst vor einem kranken Kind, vor Mehrlingen, vor dem falschen, dem zu späten Zeitpunkt und und und... sie blockiert uns und vielleicht auch unsere Empfängnis... die Psyche hat einen extrem hohen Einfluss auf den Körper und wer weiss, zu was sie alles fähig ist.

Mal abgesehen davon, ist es schlichtweg auch einfacher mit dem Kinderwunsch umzugehen so lange man offen ist. Nichts verlangt, nichts bestimmen will.

Das ist nicht einfach, das muss man und kann man auch lernen.

Es ist die Kunst, sich einfach mal fallen zu lassen. Gelassen zu werden. Schmerzlich genug wird und wurde einem immer wieder bewusst, dass man im punkto Kinderwunsch keine Kontrolle mehr hat. Doch es fällt schwer, gerade in unserer heutigen Gesellschaft, die Kontrolle abzugeben. Vor allem, wen man nicht genau weiss, an wen.

Die Kontrolle abgeben - nicht an die Mediziner (dies nur sekundär) sondern an unsere eigene Fruchtbarkeit, an unsere Kinder, an unser Schicksal und unseren Gott. Und dankbar sein. Für die Funktion unserer Eierstöcke, unserer Gebärmutter, unseres Mannes.

Und hat man es erst einmal geschafft, scheint einem eine große Last von der Schulter gefallen zu sein: Die Last der Kontrolle, die man doch nicht hatte.

Sicher, immer wieder kommen sie zurück die Zweifel, die Sehnsucht nach eben dieser Kontrolle.

Doch es ist falsch zu glauben, dass wir sie durch Hormone, ICSI oder IVF mehr gewinnen als sonst. ICSI und IVF usw. ist wichtig, es ist ein Segen, dass wir sie haben. Manche Paaren können einfach nicht ohne sie zum Erfolg kommen. Doch auch hier sollten sie lernen, die Kontrolle dem Schicksal zu überlassen, denn das letzte Wort hat nicht der Repromediziner, sondern eine andere Macht - ob unsere Kinderseelen selbst, die Fruchtbarkeit, ein Gott, das Schicksal oder schlichtweg der Zufall. Letztlich wohl einfach die Natur.

Versucht gelassen zu sein, euch treiben zu lassen.

Ich wünsche euch dabei viel Glück

 

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