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Insemination
Der Insemination geht eine hormonelle Überwachung / Stimulation voraus, d.h. der Eisprung wird manuell ausgelöst. Der Mann gibt im Labor Ejakulat ab, welches aufbereitet und mittels einem Katheter in die Gebärmutter gespritzt wird.
Dieses Verfahren wird nur angewandt, wenn keine gravierenden körperlichen Probleme (wie verwachsene Eileitern usw.) als auch eine gute Spermienqualität vorliegen.
Die Erfolgsrate liegt bei etwa 15%.
Die Risiken der Methodik an sich sind relativ gering, sieht man von den Risiken der hormonellen Stimulation im Vorfeld (siehe unten) ab
IVF (In-Vitro-Fertilisation
Am Anfang dieser Therapie steht der Schritt, den eigenen Zyklus und die eigene Hormonproduktion vollkommen auszuschalten.In der Regel wird dazu etwa ab dem 18.Zyklustag zwecks des Mittels “gnRh” die Hormonproduktion der Frau so weit heruntergefahren (“Downregulierung”), dass diese dem nun folgenden “manuellen” Zyklus nicht mehr stören können.
Nach etwa 2 Wochen ist dieser Punkt erreicht und ab dann spritzt man sich Hormone wie FSH, welche die Eizellenproduktion in Gang setzen. Mit immer wieder erfolgenden US Überwachungen wird die Menge der Hormone angepasst. Meist wird etwas mehr gegeben, um genug Eibläschen “herauszubekommen” - dies birgt aber auch das Risiko einer Überstimulation (siehe unten).
Nach wiederum ca. 10-14 Tagen sollten zwischen 5 und 20 Eibläschen am Eierstock gereift sein. Mit einer hcg-Spritze löst man dann den Eisprung aus. Bis zu diesem Punkt unterscheiden sich IVF, ICSI und IUI nicht voneinander. Bei der IUI wird nun das Sperma des Mannes in die Gebärmutter gespritzt.
Bei der IVF jedoch wird etwa 1,5 Tage nach der hcg-Spritze, die den Eisprung innerhalb von 36 Stunden auslöst, die sogenannte “Punktion” vorgenommen. Unter lokaler Betäubung oder kurzer Narkose wird ein Ultraschallkopf in die Scheide der Frau eingeführt und mit einer dünnen Nadel werden die Eizellen sozusagen vom Eierstock wie reife Beeren “abgepflückt”.
Am Tag der Punktion gibt der Mann erneut sein Sperma ab. Es wird aufbereitet und zusammen mit den entnommenen Eizellen im “Reagenzglas” kultiviert. Dort geschieht dann die Befruchtung. Etwa 18 Stunden nachdem man Sperma und Eizellen gemischt hat, werden die 3 “besten” befruchteten Eizellen entnommen und noch einmal rund 30 Stunden weiterkultiviert. Nach dem deutschen Embryonengesetz ist es leider nicht gestattet, die Eizellen länger zu kultivieren bzw. mehr als 3 Eizellen zu kultivieren (was die Chancen deutlich senkt).
Etwa 48 Stunden nach der Punktion werden die Embryonen der Frau wieder eingepflanzt, was auf dieselbe Weise wie das Einspritzen des Spermas bei der IUI geschieht.
Nun wird der Frau 2 Wochen lang in Tabletten-, Zäpfchen- oder Spritzenform das Schwangerschaftshormon hcg verabreicht, um die Einnistung der Eizellen zu unterstützen.
Die Erfolgsquote liegt bei etwa 20%.
Die Baby-take-home-Rate liegt allerdings deutlich niedriger.
Risiken:
Bei der Punktion können Verletzungen an Eierstock, Gebärmutter oder den umliegende Organen - besonders dem Darm - auftreten - was jedoch selten geschieht.
Das “Risiko” einer Mehrlingsschwangerschaft ist natürlich auch höher - denn wenn man ganz viel Glück hat, nisten sich alle drei Eizellen ein!
Das mit Sicherheit größte Risiko besteht jedoch in dem Überstimulationssyndrom der Eierstöcke. Eine leichte Überstimulation der Eierstöcke ist grundsätzlich erwünscht, damit man möglichst viele Eizellen “ernten” kann. Dies zieht jedoch viele Gefahren mit sich, besonders bei Risiko-Patientinnen wie PCO-Patientinnen (bei denen die Eierstöcke ja ohnehin schon ein bißchen “übereifrig” arbeiten). Die Ursachen des Überstimulationssyndroms sind immer noch nicht vollkommen bekannt. Vermutlich hat die Überstimulation zur Folge, dass die Gefässwände der Blutbahnen durchlässiger werden, so dass mehr Eiweiß und Wasser ins Gewebe dringt - dies führt zu Wassereinlagerungen, das Blut wird dicker - es entsteht eine erhöhte Thrombosengefahr, die Nieren werden schlechter durchblutet. Das Überstimulationssyndrom hat verschiedene Ausprägungen und ist durchaus sehr ernst zu nehmen, da es in den schlimmsten Fällen sogar tödlich enden kann - dann, wenn es so ausgeprägt ist, dass es zu einem Nierenversagen oder einer Lungenembolie kommt. Das paradoxe ist, dass das Syndrom durch eine Schwangerschaft noch verstärkt wird und leider auch erst NACH Punktion der Eibläschen auftritt... was einen kompletten IVF / ICSI Versuch letztlich scheitern lassen kann. In seltenen Fällen wird die Schwangerschaft aufgrund der Lebensgefahr sogar abgebrochen.
Allerdings tritt ein schweres Überstimulationssyndrom in weniger als 1% aller Fälle auf (das klingt wenig - bedeutet aber, dass von 200 Frauen min. 1 betroffen ist...)
Es gibt jedoch einige Punkte, mit denen man einem solchen Syndrom vorbeugen kann - nämlich indem man im Vorfeld niedrigdosiert stimuliert... auch wenn das etwas Geduld und Vertrauen bedeutet.
Ein weiteres Risko besteht in der erhöhten Krebsgefahr.Nach einer älteren Studie stieg diese von 1,5% auf 4,5% - diese Studie ist jedoch nicht allzu aussagekräftig, da es unklar ist, ob dies nicht auch damit zu tun hat, dass die Frauen , die an der Studie teilnahmen, sonst keinen Eisprung hatten und dies die Krebsbildung evtl unterstützte.
ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)
Die ICSI unterscheidet sich nur im einem Punkt von der IVF. Während bei der IVF die Befruchtung im Reagenzglas autonom stattfindet, wird bei der ICSI die Eizelle manuell befruchtet. Diese Methode wird nur angewendet, wenn die Spermienqualität des Mannes zu schlecht für eine IVF ist, bei der man pro Eizelle etwa 100.000 gesunde Spermien benötigt.
Bei der ICSI wird die Eizelle fixiert und ihr wird das Spermium direkt injiziert.
Die Risiken dieser Behandlung sind ebenso wie die obigen, da sich die hormonelle Behandlung der Frau nicht von IVF und IUI unterscheidet.
Jedoch ist das ICSI Verfahren noch relativ jung und wurde erst Anfang der 90er Jahre zum ersten Mal angewandt. Deswegen gibt es noch keine Langzeitstudien bezüglich der Auswirkungen dieser Methodik auf ICSI-Kinder. Man ist sich bisher nicht sicher, welche Auswirkungen die Tatsache, dass man den natürlichen Schutz- und Auswahlmechanismus der Eizelle außer Kraft setzt (denn im “Normalfall” wählt die Eizelle das passende Spermium ja selbst aus) haben könnte. Studien ergaben bisher, dass ICSI-Kinder nur in gering höherer Anzahl Krankheiten, Behinderungen usw. aufweisen als andere - man ist sich auch hier nicht sicher, ob dies nicht ebensogut andere Gründe haben könnte (wie das meist erhöhte Alter der Mütter von ICSI Kindern gegenüber der Gesamtzahl aller “natürlich” gezeugten Kinder).
Die Erfolgsquote unterscheidet sich nur gering von der IVF. (hierzu gibt es aber noch keine genauen Angaben)
Eine neue Methode:
In-Vitro-Maturation (IVM)
Die IVM ist in Deutschland eine noch relativ junge und unbekannte Methode. Es handelt sich hierbei grob gesagt um eine Abwandlung der IVF.
Der entscheidende Vorteil der IVM ist, dass hier mit wesentlich weniger Hormongaben gehandelt wird als bei der IVF, was eine enorme Schonung des Körpers bedeutet. Die IVM kann man also absolut als eine “sanfte Methode” oder die “sanfte Variante” der künstlichen Befruchtung betrachten.
Die IVM wird in anderen Ländern Europas bereits seit längerer Zeit praktiziert, wurde in Deutschland aber erst vor kurzem eingeführt und befindet sich offiziell noch immer in der Probephase.
Heute, 2006, wird die Methodik vom Kinderwunschzentrum Heidelberg und Lübeck angewandt.
Die IVM unterscheidet sich nur durch die Hormongabe von der IVF. Während bei der IVF die Frauen über einen langen Zeitraum stimuliert werden, um eine möglichst hohe Anzahl an Eizellen zu produzieren, wird bei der IVM nur drei Tage lang das eisprungauslösende Hormon “FSH” verabreicht. Danach werden die Eizellen wie bei der IVF per Punktion vom Eierstock “gepflückt” und im Reagenzglas mit den Spermien des Mannes vermischt. Der weitere Vorgang entsprich dem der IVF.
Die IVM ist besonders indiziiert bei PCO-Frauen, da deren Eierstöcke ohnehin schon zu viel Eizellen produzieren und es im Rahmen der IVF so sehr oft zu gefährlichen Überstimulationssyndromen kam.
Außerdem ist die IVM durch die geringe Hormongabe auch für krebskranke Patientinnen geeignet.
Die Schwangerschaftsrate der IVM liegt in etwa genauso hoch wie der einer IVF - bei ca. 21%.
Für PCO-Frauen stellt die IVM damit eine sehr große Chance dar, da sie als einzige Methode eine sehr hohe Sicherheit gegenüber des Überstimulationssyndroms gibt und dabei in etwa so erfolgreich zu sein scheint wie eine normale IVF.
Für Frauen ohne PCO scheint die IVM nicht so gut geeignet, da die Eizellenproduktion oft zu gering ist.
Dennoch kann man hoffen, dass sich die IVM in den nächsten Jahren in allen Kinderwunschpraxen Deutschlands etablieren wird und auch Nicht-PCO-Frauen als Möglichkeit angeboten wird, wenn diese ihren Körper nicht zu stark mit Hormonen belasten möchten.
Kritische Gedanken zu IVF & Co.
Mir wird oft vorgeworfen, eine überzeugte Gegnerin von IVF und Co. zu sein, was ich vehemment abstreiten muss. Ich finde, es ist ein Segen, diese Möglichkeiten zu haben und irgendwann werde ich sie vielleicht selbst einmal nutzen. Ich kritisiere nicht IVF und Co. selbst, sondern den Umgang damit. Sowohl den Umgang, den Ärzte als auch Kinderwunschpatientinnen damit pflegen.
Ich kenne Paare, bei denen keine genaue Diagnose vorliegt und die innerhalb kürzester Zeit nach Absetzen der Verhütung in einer Kinderwunschpraxis gelandet sind und etliche IVFs durchgemacht haben - in der Regel alle erfolglos.
Ich finde, die IVF sollte nur in seltenen Fällen der Anfang des Weges sein. Eine solche Befruchtung zu machen, sollte eine wohlüberlegte Entscheidung darstellen. Nicht zuletzt, weil sie den Körper stark belastet und - in Hinsicht auf das Überstimulationssyndrom - absolut nicht ungefährlich ist. Im schlimmsten Fall wird eine absolut fruchtbare Frau durch dieses Risiko für immer unfruchtbar. Ich will niemandem damit verängstigen, aber ich finde, man sollte sich über die Realitäten klar sein, wenn man sich zu einer solchen Behandlung entscheidet.
Hier ist übrigens die “IVM” eine sehr gute Alternative.
Was ich jedoch viel entscheidender finde als Risiko-Abwägungen, ist die Thematik des “Machbarkeit-Wahnes”, wie es ein sich mit dem Thema beschäftigtender Artikel einmal ausdrückte.
Viele Reproduktionsmediziner vermitteln uns den Eindruck, dass wir mit dieser Methode die Garantie zur Schwangerschaft bekommen - oder vielmehr, dass wir OHNE diese Methode niemals im Leben schwanger werden. So stimmt das nur in den aller-allerseltensten Fällen. Ich kenne genug Frauen, die eine solche düstere Prophezeiung ins Gesicht geschleudert bekamen und “einfach so” schwanger wurden. Es mag wahr sein, dass die Chancen oft schlecht stehen - aber “sag niemals nie”. Man sollte sich davon niemals verängstigen und nur dadurch zu einer Entscheidung bringen lassen.
Dann sind wir bei dem Thema der Hilf- und Machtlosigkeit: Die Entscheidung zu einer IVF sollte nie in einem dieser Momente getroffen werden, wo uns der Schmerz der Sehnsucht gerade einmal wieder umschließt und wir spüren, dass wir absolut hilflos sind - es gibt einfach nichts, was wir dafür oder dagegen tun können, dass wir nicht empfangen und keine Eltern werden.
Doch das ist in unserer heutigen Gesellschaft ein “Don`t” und steht ganz auf oben auf der “OUT”-Liste. Frei gemäß dem Motto “Nichts ist unmöglich” und “You can get it if you really want”, denken wir, die Schwangerschaft ist ebenso etwas, was wir uns erarbeiten, erkämpfen und durch Leid verdienen können - und hier stoßen wir auf den größten Trugschluss.
Deswegen ist es gerade so wichtig, eine Entscheidung zur IVF aus dem BAUCH heraus zu treffen und nicht, um dieses erdrückende Gefühl der Machtlosigkeit zu besiegen - jedenfalls meinen wir das - für eine kurze Weile.
Eine IVF ist eine wundervolle Chance, gerade wenn unser Körper - so wunderbar er auch sein mag - auch nach vielen Versuchen - die auch in alternativmedizinischem Bereich sein mögen - es einfach nicht SCHAFFT zu empfangen! Welch ein SEGEN, dass es Hilfe für ihn gibt. Aber wir sollten die Entscheidung niemals aus Ungeduld oder Hilflosigkeit treffen und niemals denken, dass sie uns den Garantieschein zur Schwangerschaft gibt. Und auf diese Überzeugung und dieses Denken stosse ich oft bei Kinderwunschfrauen.
Eine IVF sollte keine Hals-über-Kopf-Entscheidung sein - und eine IVF oder ICSI nach max. einem Jahr Wartezeit und ohne eine “echte” Diagnose zu machen, ist eine solche Entscheidung, wie ich finde.
Bitte überlegt euch dabei immer, dass eine “normale” Schwangerschaft auch nur 20-30% Erfolgschancen hat. Selbst wenn ihr beide kerngesund und fruchtbar seid, den richtigen Tag erwischt und alle Bedingungen optimal sind, ist die Chance, dass ihr eine intakte Schwangerschaft erlebt, immer noch sehr gering. Bei IVF und ICSI werden alle denkbaren Widrigkeiten auf dem Weg zur Schwangerschaft beseitigt - und DENNOCH liegt die Erfolgsquote sogar noch unter der einer normalen Empfängnis... sollte uns das nicht zu denken geben? Uns zeigen, dass IVF und ICSI nur eine Brücke, eine Hilfe sein können, aber wir auch bei diesen vollkommen manuell gesteuerten Empfängnis-Versuchen vieles in die Hände des Schicksales legen müssen?
Wenn wir mit diesem Wissen und der Demut vor dieser Tatsache in eine solche behandlung gehen, steigert das nicht nur die Erfolgschance, sondern macht es uns auch leichter, mit einem Misserfolg umzugehen.
Und zuletzt beweist es unsere Verantwortung für uns, unsere Seele und unseren Körper...
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