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Im Mai 2001 setzte ich frohen Mutes die Pille ab.

Ich muss heute zugeben, dass unsere und vor allem meine Gründe, die mich zu diesem Schritt bewogen haben, durchaus skeptisch zu betrachten waren. Ich war noch recht jung und mir klar darüber, überall auf das Unverständnis seitens Familie und Freunden zu stoßen, wie man in jenem zarten Alter schon gewollt schwanger werden konnte.

Aber ich sehnte mich nach einem Baby, auch weil ich darin eine Möglichkeit sah, mein Leben, mit dem ich zu jener Zeit überhaupt nicht klar kam, in andere Bahnen zu leiten.

Ich befand mich mitten in einem Studium, das zu meistern ich nicht fähig war, aus Gründen, die eng verbunden waren mit einigen Dingen, die nur wenige Jahre zuvor geschehen waren und viel mit seelischem Missbrauch zu tun hatten. Aus diesem Studium einfach “grundlos” auszusteigen war etwas, das für mich nicht in Frage kam.

Zu sehr war ich verstrickt in ein Denken, das wohl hauptsächlich leistungsorientiert war. Es ist leider nicht selten, dass wir nicht das an oberste Stelle setzen, was wichtig und gut für uns wäre, sondern das, was die Gesellschaft augenscheinlich von uns verlangt.

So war es auch bei mir. Aber eine Schwangerschaft würde alle Karten neu für mich mischen. Ich glaube, mit diesem Denken war und bin ich kein Einzelfall. Ich habe in den letzten Jahren viele Frauen mit ähnlichen Schicksalen getroffen, die sich eingestanden, dass auch sie den letzten Schritt zum Kinderwunsch letztlich nicht aus dem reinen Wunsch aus sich heraus taten, sondern weil eine Schwangerschaft den nötigen Impuls geben würde, etwas in ihrem Leben zu ändern, das sie aus eigener Kraft und “einfach so” nicht zu ändern wagten. Meist in Hinsicht auf berufliche, manchmal auch familiäre oder einfach die Veränderung von gewissen Gewohnheiten.

Ich setzte also im Mai die Pille ab und rechnete mir schon fest aus, das nächste, das Wintersemester, vermutlich nicht mehr antreten zu können.

Doch es kam, wie es wohl kommen musste - eine Schwangerschaft blieb hartnäckig aus. Meine Zyklen nach Absetzen der Pille wurden immer länger, von Regelmäßigkeit keine Spur.

Etwas, das mich aus zweierlei Gründen zunächst nicht überraschte, zum einen hatte mich mein Frauenarzt schon zu Beginn gewarnt, dass es schon einmal ein halbes Jahr dauern könnte, bis sich der Zyklus nach Absetzen der Pille wieder regulierte. Zum anderen waren derartige Zyklen nichts ungewöhnliches für mich. Ich hatte mit 11 Jahren meine erste Periode bekommen und genau jene Zyklen in den ersten fünf Jahren erlebt. Dies war für mich völlig normal, denn auch meine Mutter, meine Oma und vermutlich selbst meine Uroma hatten zeit ihres Lebens unregelmäßige Zyklen, waren trotzdem alle mehrfach Mütter.

Ich machte mir daher zunächst also wenig Gedanken, als der erste Zyklus sechs, der zweite acht und der dritte schon ganze elf Wochen dauerte.

Doch wie das so ist mit der heutigen Zeit und dem Internet, hörte ich bald von allen Ecken und Enden, aus den diversen Foren, die man in jener Zeit gerne in sich aufsaugt wie einen Almanach, dass “sowas nicht normal sei”. Und schnell fielen von hier und da mal die Worte “PCO-Syndrom”. Das PCO-Syndrom war zu jener Zeit, 2001, noch recht unbekannt und ziemlich umstritten, noch viel mehr als es das selbst heute noch ist.

Ich ging also wieder zu meinem Frauenarzt, etwa ein halbes Jahr nach Absetzen der Pille. Im ersten Zyklus hatte ich einmal kurz gedacht, schwanger zu sein, nachdem ein günstiger Test aus der Drogerie gleich dreimal hintereinander ein schwach positives Ergebnis zeigte. Doch ein Bluttest beim Arzt bewies das Gegenteil.

Also ging ich im November wieder zum Arzt und sprach ihn auf die langen Zyklen an. Dieser zeigte sich ob dieser Tatsache recht gelassen, schließlich habe ich diese Zyklen auch schon vor der Pille gehabt, ebenso wie meine Mutter, die ebenfalls bei ihm in Behandlung war, und wohl auch meine Oma und Uroma. Es sei schlichtweg eine erblich-bedingte Besonderheit, mit der das Schwangerwerden nicht unmöglich, aber vielleicht etwas langwieriger gestaltet sein könnte.

Ich traute dem Braten nicht und je mehr ich mich im Internet umhörte, desto mehr wurde meine Angst geschürt, “etwas könne nicht stimmen”. Zudem hatte ich natürlich auch das Problem, das man wohl zurecht gelegter Schlachtplan mit der ausbleibenden Schwangerschaft den Bach hinunter gegangen war und ich trotz des beginnenden Wintersemesters unschwanger zur Uni gehen musste.

Schweren Herzens brach ich das Studium dann von selbst ab, schaffte es aber die nächsten zwei Jahre noch nicht, mit ernsthaft zu exmatrikulieren. Erst im Herbst 2003 ging das, aber dazwischen lagen noch viele Entwicklungsschritte.

Da ich also im Herbst 2001 immer nervöser wurde und meine Angst, “mit uns könnte etwas nicht stimmen”, größer, vereinbarte ich einen Termin in einer Kinderwunschpraxis in einer Uniklinik. Dieser Termin war im Februar und verlief desaströs. Ich fühlte mich wie ein Tier im Schlachthaus, es schien in dieser Praxis noch niemals das Wort “Würde” existiert zu haben.

Nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren, verließen mein Mann und ich die Praxis im April letztlich mit den Diagnosen “PCO-Syndrom” bei mir und “OAT Syndrom” bei ihm.

Der behandelte Professor schlug vor, sofort zur ICSI überzugehen. Das war gelinde gesagt ein Schlag in den Magen und zuerst war ich völlig unsicher, was jetzt zu tun sei. Alles in mir wehrte sich gegen die Vorstellung, eine künstliche Befruchtung durchzuführen.

Da wir beide noch so jung waren, entschieden wir uns vorerst also gegen die Behandlung, alleine schon aufgrund der Art und Weise, wie man in dieser Praxis mit uns umgesprungen war.

In jener Zeit stieß ich im Internet auf eine ganz andere Seite, die sich deutlich von den bisherigen abhob: Es war die Kinderwunschhilfe-Seite von Birgit Zart.

Über diese Seite gelangte ich dann auch in das damalige Forum der “Schmetterlingskinder”, in denen ein Kinderwunschforum der besonderen Art ein Platz einnahm.

In den nächsten Monaten las ich mich durch die von Biggi und den vielen besonderen Frauen im Forum verfassten Postings, die sich hauptsächlich mit der Seite des Kinderwunsches beschäftigten, die für Ärzte und Schulmedizin wohl nicht weiter existent und schon gar nicht wichtig sein dürfte - die Seele, die Psyche, das Unterbewusstsein.

Mir wurde schnell klar, dass hier ein riesiger und unsagbar wertvoller Schatz begraben lag. Und die Zahlen der Frauen, die nach Biggi-Seminaren, in denen sie ihre Arbeit intensivierte, schwanger wurden, sprachen Bände.

So war es kein Wunder, dass wir uns nur wenige Monate später, im Juni 2002, auf einem dieser berühmten Seminare in Salzburg wiederfanden. Und unsere Erwartungen übertroffen wurden. Biggi machte mir klar, dass mein Problem Schwangerzuwerden vermutlich noch viel tiefere Gründe beherbergte, als wir uns hatten vorstellen können.
 

Als ich das erste Mal in mein Unterbewusstsein und meine seelischen “Abgründe” eintauchte, hatte ich das Gefühl, vor einem monumentalen Berg zu stehen, den ich nach und nach abarbeiten musste, und dahinter lag vielleicht die Erfüllung meines Traumes, der Weg zu meinem Wunschkind.

Zuerst stellten wir fest, dass ich ein Rebirthingproblem hatte, kein Wunder, wo ich doch mit Saugglocke zur Welt kam. Dann bearbeitete ich den Mutterkonflikt, einen KOnflikt, den fast alle Frauen mit sich herumtragen, und schlagartig verbesserte sich das Verhältnis zu meiner Mutter so sehr, dass man es heute durchaus als innig und voller Respekt bezeichnen darf.

Nach einem weiteren halben Jahr intensiven Arbeitens, in dem ich viele Dinge aufwühlte, die in mir begraben lagen, besuchten mein Mann und ich noch ein Familienstellenseminar bei Biggi, in der wir das Rebirthingthema endlich lösen konnten.

Daneben versuchte ich “Kontakt” zu meinen Kinderseelen aufzunehmen, etwas, das einem heute, nach so vielen Jahren Arbeit nach “Biggis Mustern”, als völlig normal und selbstverständlich vorkommt, aber damals recht seltsam anmutete. Doch wenn wir glauben, dass unsere Verstorbenen nicht einfach so “in der Luft verpuffen” und “irgendwo” hingehen... warum sollten von “dort” dann nicht auch jene kleine Seelen kommen, die ernst noch inkarnieren und als das Wunder Baby in Erscheinung treten?

Vermutlich wirklich eine Glaubenssache - wie auch immer, ich glaube daran, und der Gedanke, die Vorstellung und die Meditationen, die Biggi uns gelehrt hatte, halfen ungemein, im Kinderwunsch weiterzukommen.

Fast “nebenbei” entwickelte ich mich weiter. Ich schaffte es, die Ereignisse, die mich dazu bewogen hatten, das Studium abzubrechen, allmählich aufzuarbeiten. Nachdem ich nun ohne Abschluss war, suchte ich verzweifelt nach einer neuen Möglichkeit und begriff eine Weile nicht, dass ich erst einmal lernen musste, los zu lassen. Nach und nach gelang mir das, ich nahm eine Teilzeit-Stelle an und begriff, dass ich erst einmal alles auf mich zukommen lassen musste und dass das verkrampfte Suchen und Finden-Wollen mich nicht näher ans Ziel brachte - ganz im Gegenteil.

Übrigens ein Schema, das im Kinderwunsch nicht anders ist - je verkrampfter wir versuchen, schwanger zu werden, je hartnäckiger wir dementieren, was Tatsache ist, desto weniger empfänglich sind wir für alles, was auf uns zukommt - und damit natürlich auch für eine Schwangerschaft.

Im Sommer 2003 geschah dann das, was ich kaum mehr zu hoffen gewagt hatte: Ich war schwanger. Ich hatte schon bei der Empfängnis ein seltsames Gefühl gehabt, es war ein besonderes “Mal” gewesen, aber über Tage war ich unsicher, neigte dazu, es als “Spinnerei” zur Seite zu schieben.

Doch die Anzeichen wurden immer deutlicher und bald gab es keine Zweifel mehr: Unser “Löwenzähnchen”, wie wir es zärtlich tauften, war eingezogen. Die Affirmation zum Löwenzahn hatte einen ganz bestimmten Grund, denn schon lange war mir aufgefallen, dass dieses “Unkraut” es auf spielerischste Weise schafft, sich überall hin fortzupflanzen... mit Gelassenheit und Gleichmut, ein Beispiel, das es sich hin und wieder anzuschauen lohnte.

Obwohl ich so sicher war, traute ich mich lange nicht, einen Test zu machen. Dann überwand ich mich doch, aber es war ein alter und bereits abgelaufener. Er zeigte dennoch einen schwachen zweiten Streifen.

Ich beschloss, noch ein Weilchen zu warten, mir erst sicherer zu werden, bevor ich zum Arzt ging. Aber allmählich wurde mir klar: Ich war schwanger! Und wenn alles gut ging, würde ich wohl im April 2004 Mutter werden.

Doch am frühen Vormittag des 28. Augusts fand der Traum ein Ende. Es war der heißeste Sommer seit Jahren und in der vorhergegangenen Nacht stand der Mars blutrot am Himmel, mit bloßem Auge zu erkennen. Eine Astrologische Seltenheit, offenbar... als ich so unter der klarem Himmelszelt stand und die Sterne beobachtete, befiel mich eine seltsame Traurigkeit und irgendetwas in mir wusste, dass ich mein Kind in dieser Nacht würde gehen lassen müssen, dass der blutrote Mars es mit sich nehmen könnte.

In dieser Nacht schlief ich schlecht bis gar nicht, etwas, das ich so gut wie noch nie erlebt hatte. Um drei Uhr stand ich noch einmal auf und tigerte ruhelos durchs Haus. Dann fand ich letztlich doch noch in den Schlaf. Am nächsten Morgen erwachte ich spät und mit unschönen Krämpfen und ein Gang zur Toilette bestätigte, was ich befürchtet hatte: Ich blutete sehr stark... und Löwenzähnchen war gegangen.

Da ich nicht wusste, in welcher Woche ich gewesen wäre - rein rechnerisch wohl in der siebten - und ich bei noch keinem Arzt gewesen war, entschied ich mich dagegen, in diesem Moment einen aufzusuchen. Ich wusste, es war ohnehin nichts mehr zu retten. Ich ließ diese Fehlgeburt also still vor sich gehen und alles fließen - Blut, Schweiss und Tränen.

Die Schmerzen waren etwas stärker als bei normalen Menstruationen, aber nicht unerträglich. Ich vermute heute, dass das Kind schon sehr früh aufgehört haben muss sich zu entwickeln, sonst wären die Schmerzen wohl stärker gewesen. Dennoch bin ich im Nachhinein sehr froh, keinen Arzt aufgesucht zu haben, weder vorher noch nachher - und dieses Wunder in Stille und Würde gehen lassen zu haben.

Was danach folgte, war eine Leere, wie ich sie in meinem Leben noch nie empfunden habe. Eine Trauer, die so tiefgehend und essentiell war, dass ich kaum wusste, wie ich sie ertragen sollte. Und das alle “nur” wegen “einem kleinen Haufen Zellen”... doch für uns war es so viel mehr gewesen.

Nach einigen Wochen jedoch machte die Trauer der Hoffnung allmählich Platz. Es hatte geklappt - es würde bestimmt wieder klappen! Eine Weile hofften und warteten wir, ließen den Kinderwunsch tun, was er wollte, versuchten, hoffnungsvoll und gelassen zu warten.

Nebenbei entwickelten sich unsere Leben weiter, durch die Arbeit, die wir von Biggi gelernt haben, die Arbeit mit dem Unterbewusstsein, das Hinschauen auf ganzheitliche Zusammenhänge. Das, was dabei heraus kam, war noch viel wertvoller, als das der Kinderwunsch je versprochen hätte.

Es waren Änderungen, Erkenntnisse, die massgeblich für unser ganzes Leben geworden sind und die wir dem Kinderwunsch und dem Weg, den er uns hat einschlagen lassen, zu verdanken haben.

Mein Kinderwunsch war all die Zeit nach wie vor zugegen, aber er hat sein Gesicht, seine Farbe, seinen Geschmack und sein Gefühl schon lange Zeit geändert.

Es gab Zeiten, in denen war ich voller Trauer, Zeiten, in denen ich voller Hoffnung war, Zeiten, in denen mich der Kinderwunsch so sehr umtrieb, dass ich nach jedem Strohhalm zu greifen verleitet war. Aber es gab auch Zeiten, und das sind jene, die heute am häufigsten sind, in denen der Kinderwunsch nur noch ein untergeordneter Bestandteil des Lebens ist.

Wir haben uns mehr oder minder miteinander ausgesöhnt. Es mag ein kleiner Teil Resignation dabei sein, und noch bin ich nicht bereit, mich von ihm zu verabschieden und völlig zu akzeptieren, dass mein Leben wohl ohne eigene Kinder verlaufen und zu Ende gehen wird. Aber vermutlich bin ich dazu auch noch zu jung, habe noch zu viele Jahre der Fruchtbarkeit vor mir.

Je weiter ich die Bewältigung des Kinderwunsches eingestiegen bin, desto mehr hat sich in meinem Leben fast “nebenbei” zum Guten gewendet und verändert. Heute lebe ich vielleicht nicht besser, und ich bin noch lange nicht mit meinen Themen “durch”, aber ich lebte bewusster. Ich empfinde bewusster, ich bin mehr im Jetzt und Hier als je zuvor. Und das ist etwas, das ich als unschätzbares Geschenk betrachten darf.

Heute mache ich eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, auch wenn ich meinen Weg beruflich noch nicht vollends gefunden habe - so lange ich mich treiben lasse und immer auf mein Herz höre, finde ich die Wege, die ich finden darf und soll. Das ist etwas, das mich der Kinderwunsch gelehrt hat.

Ob wir noch einmal schulmedizinische Hilfe beanspruchen, steht für uns noch in den Sternen. Wer weiß schon, wohin uns das Leben noch treiben wird.

Für uns beide ist klar, dass wir den Kinderwunsch und das Schwangerwerden nicht beeinflussen können, auch nicht mit Schulmedizin. Entweder es soll sein oder nicht. Und manchmal braucht es Jahre, um die Dinge aufzudecken, die letztlich eine Empfängnis verhindern.

Und manchmal - gibt es auch schlichtweg keine. Und es ist eben, wie es ist.

Was uns auf unserem Weg durch die ungewollte Kinderlosigkeit klar geworden ist, ist, dass es keine Regeln gibt. Kein Schema. Keine Gebrauchsanweisung zum Schwangerwerden. Denn es ist und bleibt das größte Mysterium der Welt.

Dennoch - wenn wir bewusst leben, unsere Entscheidungen im Kinderwunsch bewusst treffen, unseren Körper und unsere Seele als Gesamtheit sehen und begreifen, dass nicht nur ein Teil davon fürs Schwangerwerden oder allgemeinhin für alles in unserem Leben verantwortlich ist, dann beschreiten wir einen Weg, der mehr als fruchtbar ist - in jedweder Hinsicht.

Und dann erst können wir irgendwann einmal Rast machen und auf den Weg zurückschauen, um zu sagen:
 

Es war ein fruchtbarer Weg.

In jedweder Hinsicht.

 

Im Juni 2008 wurde ich erneut schwanger, in einer für mich sehr schwierigen Zeit - und einer Phase, in der ich wirklich erst einmal NICHT mehr schwanger hatte werden wollen eigentlich.

Und doch war unser Baby eingezogen - in einem Zyklus, der schon über 70 Tage lang war. Und da sage mal einer, dass man dann keinen Eisprung mehr hätte...!

Ich bemerkte die Schwangerschaft erst Ende der 5. bzw. Anfang der 6. SSW, da es mir einige Tage hartnäckig übel war. Also machte ich einen Test, der sich sofort dick positiv färbte. Ich war wie vom Donner gerührt und brauchte lange, um zu begreifen, dass das Wunder wirklich geschehen war.

Der Entbindungstermin sollte Ende März sein, offiziell am 25.03.2009.

Die Freude über die Schwangerschaft blieb lange getrübt - es war mir schon vor der Schwangerschaft körperlich nicht gut gegangen und nun packten mich sämtliche Schwangerschaftsbeschwerden derart heftig, dass ich an manchen Tagen den Mut verlor und nicht mehr wusste, was ich tun sollte. Ich schaffte es an vielen Tagen nicht einmal aus dem Bett vor Übelkeit, ich konnte kaum etwas essen oder trinken, fühlte mich ständig müde und schwindelig - konnte aber nicht schlafen - und mehr als einmal kamen mir die Tränen vor Verzweiflung.

In der 11. Woche kam eine heftige Gastritis dazu. Ich lag die ersten 8 Wochen der Schwangerschaft ununterbrochen im Bett und wurde praktisch zum Pflegefall. Ich konnte vor Übelkeit nicht einmal lesen, fernsehen oder Musik hören, ich konnte mein eigenes Haus nicht mehr “riechen”, brach sofort, wenn ich gewisse Räume betrat und verkroch mich somit grün und gelb und mit Magenkrämpfen im Schlafzimmer.

Es war eine sehr, sehr harte Zeit und von der rosaroten Vorstellung meiner Kinderwunschphase, eine Schwangerschaft sei die Erfüllung aller Träume und ein Stückweit das Schlaraffenland blieb während dieses ersten schweren Trimenons offen gestanden nahezu nichts mehr übrig.

Doch ab der 14. Woche ging es aufwärts, ich bemerkte, dass ich wieder mehr zu mir nehmen und bei mir behalten konnte, ich wagte mich ab und an wieder vorsichtig vor die Tür und war nach und nach auch wieder in der Lage, mich selbst zu versorgen. Trotzdem ging es mir weiterhin nicht wirklich gut, die Übelkeit verschwand nie ganz, ich war unendlich müde, kämpfte gegen Rückenschmerzen, Migräneanfälle und Kreislaufprobleme.

Und doch war ich nun sehr, sehr glücklich - mein Bauch wuchs, bei den Vorsorgeuntersuchungen war immer alles in allerbester Ordnung und meine anfängliche Sorge, das kleine Wunder könne sich wie sein “Geschwisterchen” damals im Jahr 2003 wieder auf den Weg in den Sternenhimmel machen, wurde kleiner, als ich in der 8. SSW das Herzchen eifrig blinken sah und erst recht, als ich das erste Trimenon völlig problemlos - mal abgesehen von meinem eigenen desolaten Zustand - hinter mich gebracht hatte.

Es folgten die glücklichsten und zufriedensten Wochen meines Lebens. Im Oktober, in der 19. SSW, offenbarte sich unser kleines Wunder als ein Junge. Wir waren überglücklich!

Doch dann brach das Unglück über uns herein, als ich am Abend des 6. Novembers bemerkte, dass ich leichte Blutspuren in meinen Slip hatte und auch der ph-Test knallblau wurde. Meine Hebamme beruhigte mich am Telefon - es seien sicher nur geplatzte Äderchen oder ähnliches.

Doch meine Unruhe und meine Angst wuchsen in der Nacht ins unermessliche, obwohl alles ruhig war und ich meinen Sohn wie schon seit der 16. SSW immer kräftig in meinem Bauch strampeln spürte.

Am folgenden Tag bestätigten sich meine Ängste - beim Frauenarzt wurde festgesteltl, dass der Muttermund komplett geöffnet war und die Fruchtblase zu prolabieren drohte. Trotz meiner mehrfachen Nachfrage ließ mein Gynäkologe mir keinen Krankenwagen kommen, ich musste selbst mit meinem Mann in die Klinik fahren. Ich war rein rechnerisch in der 21. Woche - auch wenn mein Entbindungstermin nie mehr korrigiert worden war und ich ihn schon immer von meinem eigenen Gefühl und dem Wissen darum, wann wir beide “aktiv” gewesen waren, einige Tage nach vorne gesetzt hatte.

Im Krankenhaus war es dann durch die Bewegung natürlich verhängnisvollerweise zum kompletten Fruchtblasenprolaps gekommen - und es wurde klar, dass eine Infektion (die ich mir, wie man heute, 1 Jahr später, weiß mit ziemlicher Sicherheit auf der Toilette eines Möbelhauses geholt habe, als wir 2 Tage zuvor das Kinderzimmer ausgesucht und gekauft hatten.....) den Muttermund geöffnet hatte.

Die Prognose war denkbar schlecht. Man versuchte alles, um einen Blasensprung zu vermeiden - ich gab mich ganz gegen all das, was ich in den letzten Jahren gelebt und gefühlt hatte vollständig den Medizinern in die Hände... sie versuchten alles. Bettruhe, Antibiotika, Wehenhemmer... ich war erstaunt, wo ich doch gar keine Wehen hatte... aber dies sei “vorsorglich”, sagte man mir.

Die Nebenwirkungen der Wehenhemmer verschlimmerten sich von Stunde zu Stunde und nach einiger Zeit wurde mir furchtbar übel. Ich bat dies zu bedenken - mir war klar, dass ich nicht brechen durfte, denn der Druck würde die Fruchtblase noch mehr gefährden... man ignorierte das weitestgehend, gab mir ein Vomex-Zäpfchen... ich war erstaunt, denn der Wirkstoff von Vomex darf im letzten Trimenon nicht mehr verabreicht werden, da er als wehentreibend gilt.

Ich hing also am Wehenhemmer, dessen starke Nebenwirkungen mir Übelkeit brachten und bekam gegen die Übelkeit ein Mittel, das Wehen fördert...

Das Zäpfchen verfehlte seine Wirkung nicht... leider nur insofern, dass ich mich zwar doch übergab, aber dazu noch furchtbare Schmerzen bekam, die ich zunächst gar nicht als Wehen identifizierte.

Die ungewohnte Anstrengung, der Stress und der Schock und die vielen Medikamente verschlimmerten meinen Zustand weiterhin stündlich und mitten in der Nacht erbrach ich mich erneut so stark, dass meine Fruchtblase mit einer unglaublichen Wucht platzte und ich durch das Würgen sämtliches Fruchtwasser verlor.

Damit war unser Kind dem Tod geweiht - es gab keine Chance mehr, es zu retten. Die Bakterien drangen zum einen zu ihm vor, zum anderen konnte er ohne das fehlende Fruchtwasser nur schwerlich überleben.

Anderthalb Tage später wurde die Geburt auf unseren Wunsch hin eingeleitet, nachdem meine Wehen wieder verebbt waren. Doch unser Sohn starb in meinem Bauch einen langsamen Tod und kämpfte mit aller Macht dagegen an. Wir wussten, dass wir ihm auf diese Welt helfen mussten, um ihn gehen lassen zu können.

Er wurde nur ca. 3,5 Stunden nach Gabe des Mittels geboren und starb 1,5 Stunden später friedlich und sanft in unseren Armen. Am 14. November wurde er in einem Kindergrab in unserem Heimatort beigesetzt.

Die nächsten Monate waren voller Trauer und es dauerte ein halbes Jahr, bis wir uns endgültig wieder für den Wunsch nach einem neuen Kind öffnen konnten, auch wenn die Trauer uns stetig begleitete. Direkt nach der Geburt unseres Sohnes hätte ich am liebsten sofort wieder versucht schwanger zu werden, doch die Vernunft hielt mich davon ab.

Was ganz wichtig zu wissen ist: Der Tod unseres Sohnes hatte NICHTS, aber auch REIN GAR NiCHTS mit unserer langen Kinderwunschphase und deren Diagnosen zu tun. Eine Infektion dieser Art mit den entsprechenden Folgen kann sich JEDE Frau zuziehen - völlig gleich, ob sie direkt im 1. Zyklus nach Absetzen der Verhütung, ungewollt und TROTZ Verhütung oder eben nach langer Wartezeit schwanger wurde.

Im April 2009 setzten wir die Verhütung erneut ab.

Seither warten und hoffen wir erneut auf ein neues Wunder. Auch wenn uns ein Folgekind unseren geliebten Sohn niemals ersetzen können wird... so wünschen wir uns dennoch, auch ein lebendes Kind in unserem Leben haben zu dürfen. Der Kinderwunsch ist noch konkreter, inniger und sehnsuchtsvoller geworden als je zuvor.

Denn jetzt SIND wir Eltern... und haben doch kein Kind an der Hand.

Und doch hat uns unser Sohn vor allem gelehrt, dass die Zeit ihre eigenen Regeln hat - Regeln, die wir oftmals nicht verstehen. Also üben wir uns in dem, was uns in den letzten Monaten als Leuchtsignal durch den unsagbaren Schmerz, aber auch die große Dankbarkeit für dieses Kind, das uns geschenkt wurde, getragen hat:

Die Hingabe an das, was ist und kommt.

Und lassen es geschehen...

 

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